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Bild von IO-Images via pixabay / Lizenz: CC0 Public Domain

Kommentar: Vielfältige Monokulturen

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Linux ist Vielfalt! Bedingt durch die freien Entwicklungsmodelle haben sich dutzende Parallelangebote für ähnliche Aufgaben etabliert. Linux-Distributionen sind deshalb nichts anderes als Zusammenstellungen aus dem schier unendlichen Reservoir freier Software. Abgesehen vom Linux-Kernel und einigen zentralen Bibliotheken ist fast kein Projekt unersetzbar. Den meisten Anwender ist dieses Phänomen vermutlich am Beispiel der Desktopumgebungen bekannt (siehe: Ubuntu Derivate / Desktopumgebungen - Eine Übersicht). Wirklich auf die Spitze treiben dies aber zahllose Distributionen, die sich im winzigen Linux-Markt tummeln.

Kritikern dieses Wildwuchses wird diese Vielfalt immer als Vorteil des Linux Ökosystems verkauft - und das ist richtig so. Weil viele ähnliche Projekte um die Anwender buhlen, kann man Projekte, die sich subjektiv in die falsche Richtung entwickeln, viel einfacher ersetzen. Windows oder macOS Anwender müssen in einem gewissen Rahmen nehmen was ihnen vorgesetzt wird.

Der Linux-Anwender bekommt Software aber meistens vermittelt durch den Distributor und diese nutzen fast durchweg die Chancen nicht, die sich ihnen bieten. Im verzweifelten Versuch möglichst viele Nutzer an sich zu binden, wollen sie auf allen Hochzeiten gleichzeitig tanzen und sind dadurch fast durchweg Mittelmaß.

Es gibt einige wenige alte Projekte wie Debian, die ihr Selbstverständnis daraus ableiten, eben alles zu unterstützen. Sichtbar an den zahllosen unterstützten Architekturen und sogar verschiedenen Kernel. Hier ist nur logisch wirklich alles in den Paketquellen zu haben, was die freie Softwarewelt hergibt. Das ist der Kern der Projektidee (neben ideologischen Überlegungen).

Die meisten anderen Distributoren - vor allem mit Fokus auf den Desktop - wollen aber vor allem ein gut benutzbares System abliefern. Es ist aber - auch bedingt durch die Entwicklerkapazitäten - schwierig alle Desktops gleichwertig gut zu integrieren. Das war schon nicht leicht, als es nur KDE und GNOME gab. Heute ist es faktisch unmöglich.

Die Stärke von Projekten wie Ubuntu lag genau darin, dass sie sich einen Desktop genommen haben und ein möglichst perfekt vorkonfiguriertes Nutzererlebnis ausgeliefert haben. Heute muss es für jeden Desktop ein Derivat geben, Hauptsache der Anwender geht nicht zur Konkurrenz verloren. Das jüngste Opfer dieses Alleinvertretungsanspruchs ist Solus. Dieses Projekt hat mit Budgie einen wirklich innovativen Desktop fertiggestellt, der für viele Anwender eine Bereicherung darstellt. Ursprünglich drehte sich Solus darum diesen Desktop möglichst perfekt auszuliefern. Seit kurzem haut man auch Spins mit GNOME und MATE raus.

Die meisten Distributionen liefern dadurch zahllose Desktops aus, die sie wenig oder gar nicht vorkonfigurieren. Der Nutzer bekommt so ein liebloses Stück Software ausgeliefert, dass er so auch bei vielen anderen Distributoren vorgesetzt bekommt. Den Vorteil der Vielfalt gibt man dadurch preis. Was nützen dutzende Distributionen, wenn sich das Anwendungserlebnis kaum unterscheidet, die Qualität aber durch den allgegenwärtigen Entwicklermangel spürbar nachlässt.

Klar, gibt eine Distributionen einen Desktop preis - wie jetzt Ubuntu mit Unity - verliert sie möglicherweise Anwender. Die bekommt aber auch die Chance einen (!) viel besseren Desktop auszuliefern, wodurch Linux insgesamt gewinnen kann. Schließlich muss kein Anwender das Linux-Universum hinter sich lassen. Die gegenwärtige Entwicklung bringt nämlich keine Vielfalt, sondern lediglich die Illusion selbiger. Eigentlich sind es Monokulturen - eine Distribution gleicht der anderen.

Tags: Open Source, Linux, Desktop

Ergänzungen zum Artikel

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